Julius Schulte (* 14. Mai 1881 in Steyrermühl) war ein oberösterreichischer Architekt, dessen Werke sich zunächst am Jugendstil und später am Expressionismus orientierten.

Er war gemeinsam mit Curt Kühne (1882 – 1963) einer der bedeutenden Architekten der Zwischenkriegszeit in Linz. Für Kühne als Stadtbaudirektor und Schulte als Mitarbeiter ging es um die Schaffung einer sozial orientierten Stadt. Die von ihnen geschaffenen öffentlichen Bauten, Schulen, und Industrieanlagen weisen eine hohe, individuelle gestalterische Qualität auf und haben bis heute architektonische Relevanz für Linz.

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In seiner Tätigkeit am Stadtbauamt Linz ab 1909 war er besonders mit der Errichtung von Schulbauten befasst: unter anderem der Körnerschule (1910/11; siehe unterstehendes Bild) und der Weberschule (1913).

Von 1911 bis 1913 gestaltete er das Rathaus von Urfahr. Aber auch in der Siedlerbewegung (Villenkolonie in der Greilstraße, 1912/13, gemeinsam mit Alfred Rodler) und mit Fabriksbauten (Saccharinfabrik Zizlau, 1919; Knochenverwertungs- und Kunstdüngerfabrik, 1920–22) war Schulte erfolgreich. 1921 gab er seine Stellung als Stadtbaurat auf und wirkte als freier Architekt in Linz.

Er errichtete weitere Siedlungen, plante die Umgestaltung der Donaubrücke und des Brückenkopfs Linz Urfahr. Als eines seiner Hauptwerke gilt die Zeremonienhalle mit Versenkungsmaschinerie im Zentrum der turmartigen Feuerhalle des neu angelegten Urnenhains in Urfahr (1928/29). Der Bau wurde von seinen Schülern Hans Arndt und Paul Theer vollendet. Er selbst wurde 1928 in einem Wandgrab des damals noch nicht allgemein benützbaren Krematoriums in Urfahr beigesetzt.


In der Linzer Raimundstraße gab/gibt es zwei Bezüge zur Arbeit Schultes.

1912 plante er, noch als Mitarbeiter der Stadt Linz, die Raimundschule (heute städtischer Hort). In der aktuellen (Anfang 2022) Ausstellung über die Linzer Architekten Schulte und Kühne im Nordico Stadtmuseum Linz  findet sich dazu ein zeitgenössisches Bild.

Ab 1916 war die Raimundschule auch Trainingsstätte des Arbeiter-Turnvereins Linz.

Dort, wo sich heute das BFI Oberösterreich (Raimundstraße 1-5) befindet, produzierte ab 1906 bis Ende der 1960er Jahre die Firma Rosenbauer Feuerwehrpumpen. Die Werkstätten wurden ständig vergrößert. Dazu plante Schulte 1927 einen markanten Erweiterungsbau (würfelartige Werkstatt samt angeschlossenem Schlauchturm).

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Dieser Bau wurde nach seinem Tod von den Architekten Arndt, Novotny und Lukas als Atelier Schulte finalisiert.

Leider wurde der Bau in den 1980er Jahren abgerissen und wird hier erstmals umfangreicher dokumentiert. Eine Sammlung aller bisher gefundenen Bilder zum Schulte Bau der Firma Rosenbauer kann hier angeschaut werden.

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Hier kann ein Werkverzeichnis Schultes durchgeblättert werden.


Quellen: Julius Schulte (archinform.net)  – Andrea Bina (Hrsg.): Gebaut für alle. Curt Kühne und Julius Schulte planen das soziale Linz (1909–38). Salzburg 2021. – Schulte, Julius (biographien.ac.at)hjstl_1977_0233-0346_a.pdf (ooegeschichte.at) – Dr. Michael Stockinger (Bild vom Arbeiterturnverein) – Archiv BBRZ Gruppe – Archiv Rosenbauer AG

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