Am Standort des BFI befand sich früher nicht nur die Firma Rosenbauer. An der Ecke Raimundstrasse 1 und  Wienerstraße (Wiener Reichsstraße) 51 eröffnete um die Wende zum 20. Jahrhundert Johann Grubhofer ein Kaffeehaus (zuvor ab 1894 an der damaligen Adresse Wiener Reichsstraße 33 – heute Unionkreuzung McDonalds). 1920/21 führte Marianne Planschill und 1921/22 Josef Unterthurner den Betrieb. Der dann neue Eigentümer Ferdinand Rinner vermietete die Räume ab 1923 an die Firma Hekler und Zimmermann. Heinrich und Marie Hekler sowie Dorothea und Emil Zimmermann gründeten ein Kaufhaus mit Damen-, Herren und Kinderkonfektion. Eine für Linz neuartige Lichtreklame zierte die Fassade. Bis 1936 kauften die Familien Zimmermann und Hekler das Haus.

Nach dem „Anschluss“ im März 1938 übernahm kurzfristig die Belegschaft  dieses jüdische Unternehmen. Dann wurde es kommissarisch verwaltet, arisiert und am 16. September 1939 liquidiert. Davor fand ab April 1939 ein vielfach beworbener Abverkauf statt.

Am 27. April 1938 schrieb Adolf Markus (ein Schwager Emil Zimmermanns, der 1930 in die Familie einheiratete) in seinem Tagebuch, dass die Spannung unter den Angestellten „bis zum höchsten Punkt angewachsen“ sei, wobei sich die Wut vor allem gegen Zimmermann richtete, weil die meisten Verwandten Heklers (so auch seine Frau Marie) „Arier“ waren.

Am 28. April 1938 verhaftete die Gestapo Heinrich Hekler und Emil Zimmermann. Im September bezichtigte das Finanzamt Linz-Urfahr beide wegen schwerer Steuervergehen und verurteilte sie zu hohen Geldstrafen (umgerechnet auf heutigen Wert: für jeden 1,45 Millionen Euro).  Zeitgleich kam es zur Liquidierung des Geschäftes und zum Einzug der Gewerbeberechtigung.

Zur Sicherstellung wurden in solchen Fällen Vermögen herangezogen bzw. wurden Immobilien im Grundbuch belastet. Im Jahr 1940 findet sich das Grundstück und Haus in der Raimundstraße 1 als arisiertes Vermögen (Eigentümer: „Land Österreich“) im amtlichen Linzer Adreßbuch.

Die Nationalsozialisten ermordeten Heinrich Hekler am 14.8.1942 in Auschwitz. Marie Hekler, die keine Jüdin war, lebte ab 1939 ohne eigenes Einkommen in Wien  und zog 1946 wieder nach Linz Urfahr.

Emil Zimmermann konnte 1939 nach Uruguay auswandern, seiner Gattin Dorothea Zimmermann standen nicht genügend Geldmittel zur Verfügung. Sie wurde am 27.4.1942 nach Wlodowa deportiert und dann im Vernichtungslager Sobibor zu Tode gebracht.

Ab 1945 stellte die Militärregierung arisierte Betriebe unter kommissarische Leitung, so auch das Warenhaus Hekler und Zimmermann. Es wurde versucht, das Vermögen zu sichern – in diesem Falle Außenstände aus der Zeit vor der Arisierung einzutreiben. Ab März 1947 war der Schwiegersohn der Familie Hekler, Bruno Leitner, als Verwalter bestellt.

In den Jahren nach dem Weltkrieg gründeten Familienmitglieder mit Kompagnons das Geschäft an dem Standort als „Kaufhaus der Linzer“ (zu Beginn, jedenfalls bis 1950, noch mit dem Zusatz „vormals Kaufhaus Hekler u. Zimmermann“) wieder. Bedeutsam waren das Angebot der Ratenzahlungen und der „Einkauf ohne Anzahlung“.

In den 1960er Jahren kam es zu Umbauten und Modernisierungen – etwa 1963 und 1964 Neonleuchten und aktuelle Firmenbeschriftungen.

1985 errichteten Raiffeisenbank OÖ und BFI ein Bank- und Schulungsgebäude, das 2020 im revitaliserten Bildungshaus aufging. Der neue BFI Eingang an der Wienerstraße entstand dort, wo früher das Warenhaus der jüdischen MitbürgerInnen Hekler und Zimmermann sowie später das Kaufhaus der Linzer war.

Diese so typische Geschichte des 20. Jahrhunderts wird im Frühjahr 2022 in einem Forschungsprojekt genauer ergründet und danach publiziert werden.

Kommentare für “Vom arisierten Warenhaus zum Berufsförderungsinstitut

    • Christoph Jungwirth :

      aus Tageszeitungen aus den Jahren 1939 und 1946 – 50; aus Publikationen des Archivs der Stadt Linz und aus dem Archiv des Holocaust Memorial in den USA

  • War in Steyr nicht anders! Kleiderhaus Pollak, Enge Gasse 6, arisiert 1938 an Franz und Max Haubeneder. Siehe vergessene Spuren. Die Geschichte der Juden in Steyr von Waltraut Neuhauser-Pfeiffer und Karl Ramsmaier.

  • Evelyn Rempelbauer :

    „Grabe wo du stehst“ hat mich schon als Studierende in den 80er- Jahren fasziniert, danke Christoph, dass du unserer Unternehmensgeschichte unter diesem Aspekt deine Zeit und Energie widmest! In der Voest hat sich letztlich ein Geschichteclub gegründet, wer weiß…..
    Und das Blumenkleid deiner Mutter aus dem KA DE EL halt ich persönlich für ein Highlight!

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